Sporternährung für Kinder

29 Jun

in Training-Technik-Gesundheit | Autor: Simon Strobel | Tags: Gesundheit, Kinder, Sporternährung

KinderernährungZunächst ist prinzipiell zu klären, was der Sinn einer sportorientierten Ernährung sein sollte. Im Erwachsenensport zielt diese hauptsächlich darauf ab, die sportliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen auf ein Maximum zu steigern und die Gesundheit dabei zu erhalten. Völlig anders ist jedoch die Zielsetzung der Ernährung bei sportlich aktiven, möglicherweise auch im Leistungssport ambitionierten, Kindern und Jugendlichen. Bei diesen steht die Energiebereitstellung für eine normale Entwicklung und ein gesundes Wachstum im Vordergrund. Die leistungssteigernde Komponente sollte immer eine untergeordnete Rolle spielen. Im Besonderen gilt dies für präpubertäre Kinder, deren Körper im Vergleich zu Erwachsenen anders auf sportliche Belastungen reagieren. Zur Überprüfung, ob ein Kind ausreichend mit Nährstoffen versorgt ist, kann man den linearen Anstieg von Gewicht und Wachstum, den Gesundheitszustand und auch die allgemeine Entwicklung heranziehen. Diese Richtgrößen sollten sich nicht vom Durchschnitt anderer Altersgenossen unterscheiden. Mögliche Minderversorgungen könnten sich in einem verminderten Längenwachstum, einer zu geringen Gewichtszunahme bzw. einem zu niedrigen BMI oder auch in Verhaltensänderungen wie z. B. anhaltender Müdigkeit und Reizbarkeit zeigen.

Kinder können in der Skelettmuskulatur, wie auch Erwachsene, über drei Wege Energie in Form von ATP gewinnen. Zum einen für sehr kurze Belastungen (< 10 sek) über die Creatinkinase-Reaktion. Zweitens mit Hilfe der anaeroben Glykolyse über einen längeren Zeitraum (< 1 min) für maximale Leistungsspitzen. Dies geschieht ausschließlich über den Abbau von Glukose zu Milchsäure. Am effektivsten ist der dritte Weg, die aerobe Verbrennung, d. h. mit Sauerstoff, bei der Glukose und Fettsäuren vollständig zu Kohlendioxid und Wasser abgebaut werden.
Durch Belastungen im anaeroben Bereich über Sprintstrecken hinaus kann es zu einer vollständigen Entleerung der Glykogenspeicher in Muskulatur und Leber kommen. Um die Energiegewinnung weiter auf einem hohen Niveau zu halten, werden Proteine in der Muskulatur zu Aminosäuren abgebaut und verstoffwechselt. Der in der Folge auftretende Mangel an Aminosäuren für den Aufbau und die Reparatur von Gewebe ist wahrscheinlich für Kinder schädlich. Hält ein solches Defizit längerfristig an, z. B. durch wiederholt übermäßige Trainingsbelastungen ohne ausreichende Erholung, kann es nach einer anfänglichen Gewichtsabnahme zu Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörungen kommen. Im Blick auf die Energiegewinnung zeigt sich noch ein zweiter Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen. Kinder ziehen während aerober Belastungen stärker Fettsäuren heran als Erwachsene. Daher ist möglicherweise der Kohlenhydratbedarf in der Nahrung vermindert und die Glykogenspeicher werden geschont. Dass dieser Mechanismus im Lauf der Jugend zurückgeht, dafür werden Hormonveränderung­en verantwortlich gemacht. Genau diese Veränderungen der Geschlechts- und Wachstumshormone innerhalb der Pubertät führen ebenfalls zu einem starken Wachstum der Skelettmuskulatur, gefolgt von einer Kraftzunahme. Vor der Pubertät wurde dies allein durch eine verbesserte Ansteuerung der Muskeln erreicht. Während eines Wachstumsschubs wird eine sehr hohe Versorgung mit Nährstoffen, besonders Proteinen, benötigt. Selbst in Ruhe ist daher der relative Energieumsatz bei einem schnell wachs­enden Jugendlichen deutlich höher als bei Erwachsenen.

Hinzu kommt, dass die Abstimmung der einzelnen Muskelbewegungen im Kindesalter bei weitem noch nicht ausgereift ist. So gehen große Mengen an Energie bei technisch an­spruchs­vollen Bewegungsabläufen wie dem Inlineskaten verloren.
Gepaart mit dem weniger wirtschaft­lichen Sauerstofftransport im Blut benötigen Kinder alles in allem ca. 20 – 25 % mehr Energie, müssen also verhältnismäßig mehr Nahrung zu sich nehmen. Jugendliche reduzieren durch eine höhere Effizienz ihren Mehrbedarf bereits auf ca. 10 – 15 %.

Aus dem gleichen Grund, also durch schlechtere muskuläre Koordination, beginnen Kinder schneller zu schwitzen als Herangewachsene. Wenn man sich vor Augen hält, dass ein erwachsener Sportler über 75 % seiner im Muskel erzeugten Energie in Form von Wärme an die Umgebung abgibt, wird klar, dass dieses Verhältnis bei Kindern noch ungünstiger ausfällt. Weil, abgesehen von der Koordination auch das Verhältnis von Körpervolumen zu Körperoberfläche bei Kindern verkleinert ist, haben sie zusätzlich noch Nachteile beim Ausgleich einer erhöhten Körpertemperatur. Dies kann an Sommertagen wesentlich schneller als bei Erwachsenen zu einem Hitzschlag führen. Eltern und Trainer haben also auch die Verantwortung ihre Schützlinge zum Trinken anzuhalten. Empfehlenswert ist vor und nach dem Training ca. 200 – 400 ml zu trinken und im Trainingsverlauf mindestens alle 15 – 20 min eine Trinkpause einzulegen. Obwohl im Alltag weitestgehend auf süße Getränke verzichtet werden sollte, ist als Trainingsgetränk z. B. eine Apfelsaftschorle mit einer Prise Salz optimal für die kleinen Athleten. Neben dem Auffüllen der Kohlenhydratspeicher wird so auch der Mineralhaushalt ausgeglichen.

Wie auch die Sportler an der Weltspitze brauchen Kinder und Jugendliche aus­reichend Zeit zur Erholung. Sie müssen in dieser Zeit ihre Energiereserven, vor allem die Glykogenvorräte auffüllen, ihren Wasser- und Elektrolythaushalt wieder normalisieren und kleine Verletzungen in der Musku­latur reparieren, die bei jeder sportlichen Ak­tivität auf­treten. Da sie aber noch nebenbei Wachs­en und sich ihr Körper im ständigen Um­bau be­findet, haben sie einen außer­ordentlich hohen Regenerationsbedarf. Wird ihnen die nötige Erholung verwehrt, kommt es zu Übertraining mit beispielsweise Stimmungsschwankungen oder schlechteren Schulnoten, aber auch zu einer erhöh­t­en Erkrankungsanfälligkeit. Im Junioren- und Schülerbereich sind die körperlichen Belastungen in Training und Wettkampf immer mit ausreichend Zeit zum Schlaf­en und Erholen zu kombinieren. So bleibt abgesehen vom Spaß am Inlineskaten auch die Gesundheit auf einem Top-Rang!


Fazit
Es bleibt also festzuhalten: Kinder und Jugendliche brauchen wie Erwachsene eine umfangreiche Ernährung aus Kohlenhydraten, hochwertigem Eiweiß und möglichst ungesättigten Fettsäuren. Je nach Alter, Größe oder momen­tanem Wachstum kann der Grundbedarf stark vergrößert sein. Die richtige Menge wird bei gesund­en und aktiven Kindern durch den Appetit perfekt reguliert. So zeigte ein Versuch in Kindergärten, dass Kinder unabhängig von Portionsgröße und Gericht immer den gleichen Kaloriengehalt gegessen haben. Im Rahmen einer abwechslungsreichen Ernährung werden die Kinder umfassend mit Mikronährstoffen wie Mineralien und Vitamine versorgt. Ein Mehrbedarf wird im Vergleich zu Gleichaltrigen durch die allgemein gesteigerte Essensmenge abgedeckt. Auf Nahrungsergänzungsmittel kann somit gänzlich verzichtet werden! Kommt dann noch genug Erholung hinzu steht dem Spaß am Skaten 2010 nichts mehr im Wege!