Speedskating - Weltmeisterschaften 2009 in Haining, China
in Inlineworld | Autor: Gaby Junginger | Tags: China, Haining, Speedskating, Speedskating-Weltmeisterschaften 2009
WM der Superlative
Deutschland beste europäische Nation
Haining war Gastgeber der zweiten Weltmeisterschaften, die in China in diesem Jahr stattfanden, den Speedskating-Weltmeisterschaften. Die Stadt liegt ca. 100 km östlich von Shanghai, an der Südspitze der Hangzhou Bucht im Jangtse River Delta, in unmittelbarer Nähe von Hangzhou, das mit mit ca. 6 Millionen Einwohnern Hauptstadt der Provinz Zhejiang ist. Haining zählt mit ca. 640.000 Einwohnern zu den „kleineren“ Städten Chinas und ist die „Lederhauptstadt“ des Landes.Und eine Stadt, die zu Markte trug, wie stolz sie darauf war, dass Gäste aus der ganzen Welt anlässlich dieses Wettbewerbes hierher gekommen waren. Flaggen, Plakate, rote Lampions – wohin man auch sah, wurde für die WM geworben, hieß man die Gäste willkommen.
Die Veranstalter hatten alles getan, damit sich die Teilnehmer und Besucher der WM wohlfühlen konnten – eine große Anzahl an Volontären, chinesische Studentinnen und Studenten hatte sich von ihren Universitäten beurlauben lassen, war im Einsatz, um sich um die Mannschaften, die Presse, die „Officials“ zu kümmern, sie zu unterstützen, ihnen zu helfen. Der deutschen Nationalmannschaft stand David zur Seite, der perfekt Deutsch sprach.Für uns war Stella zuständig, immer präsent und so freundlich und angenehm, dass wir sie nicht mehr hergeben wollten. Ein derartiges Szenario hatten wir bis dato nie erleben dürfen.
Haining hatte sich also „herausgeputzt“ für die Gäste aus aller Welt und zeigte sich von seiner besten Seite. Ein erstes Mal wurde das bei der Eröffnungszeremonie eindrucksvoll demonstriert. Mit großer Herzlichkeit und menschlicher Wärme wurde in der Eröffnungsrede für das Miteinander im Sport geworben. Unterstrichen durch ein großartiges Programm, das Tradition und Moderne miteinander verband und die wichtigsten Merkmale der Stadt – die Laternen, das Leder und der Gezeiten ihres Flusses Qiangtang – durch professionelle Aufführungen und Shows dem Zuschauer näherbrachte. Zum Abschluss dann der Auftritt von professionellen Sängern, die die extra komponierte „WM-Hymne“ sangen, dem Gefühl von einem Hauch von Olympia konnte man sich nicht erwehren.
Um es vorwegzunehmen, es wurden die Weltmeisterschaften von Korea, Joey Mantia und ... Sabine Berg.

Wenn man selten in den Genuss kommt, Wettkämpfe mit Teilnehmern aus den U.S.A., dem asiatischen Raum und Südamerika zu sehen, dann bleiben automatisch Erinnerungen des letzten Rennens im Kopf, dass man mit Beteiligung dieser Länder gesehen hat. Seit der letzten WM ist aber bereits ein Jahr ins Land gegangen und anscheinend hat sich da einiges bewegt. Denn die Anzeigetafeln zeigten nach den Rennen nicht jedes Mal ein südamerikanisches Land an erster Stelle – die erfolgsverwöhnten, zahlreich mitgereisten Reporter kamen kaum zum Zuge. Korea war das Land dieser Weltmeisterschaft. Die Bahnwettkämpfe wurden – fast – langweilig, weil man fast immer
wetten konnte, dass Korea gewinnen würde. Das ist natürlich leicht übertrieben. Denn Kolumbien wurde im Ländervergleich immerhin Zweiter, gefolgt von China Taipeh. Und dennoch, die Leistungsstärke des koreanischen Teams, insbesondere der JuniorInnen, versetzte alle in großes Staunen. Die meisten Erfolge konnte die koreanische Dame für die Langstrecken, Sook Woo Hyo, verzeichnen. Sie gewann die 10.000 m Punkte-Ausscheidung Bahn und das 10.000 m Punkterennen Straße. Im 15.000 m Ausscheidungsrennen auf der Bahn musste sie sich mit Silber begnügen, Gold ging an Laura Lardani, Italien. Die Kurzstrecken waren Sache von Kolumbien – Yerci Puello, das kolumbianische Muskelpaket, gewann die 300 m und 500 m Bahn und die 200 m und die 500 m auf der Straße. Tja, und dann waren da noch die deutschen Damen, Sabine Berg, Jana Gegner und Mareike Thum. Kamen sie während der Bahnwettkämpfe über einen Finaleinzug von Sabine ins 1.000 m Finale und einen darin erlaufenen
fünften Platz nicht hinaus, läutete Sabine mit dem ersten Straßenwettkampftag die Wende ein. Mittlerweile akklimatisiert und vertraut mit den Gegebenheiten, konnte sie ihr großes Potenzial ausschöpfen, in der letzten Runde des 20.000 m Ausscheidungsrennens angreifen und gewinnen. Ein Erfolg, der wie eine Initialzündung für die deutsche Mannschaft wirken sollte. Am nächsten Tag folgte die Bronzemedaille von Mareike über 10.000 m Punkte und dank eines hervorragenden Zusammenspiels eine weitere Goldmedaille im 5.000 m Staffelwettbewerb für die drei jungen deutschen Damen. Korea wurde auf Platz 2 verwiesen, Argentinien auf Platz 3. Das Selbstbewusstsein war wieder da, jetzt glaubte das deutsche Team wieder an sich. Der letzte Wettkampftag, der Marathonwettbewerb, sollte in die deutsche Speedskating-Geschichte eingehen. Bei Sabine, Jana und Mareike klappte die Zusammenarbeit hervorragend, die Taktik funktionierte. Brigitte Mendez aus Kolumbien und Nicole Begg, Neuseeland, hatten darunter zu leiden, denn Sabine und Jana blieben auch im Zielsprint zusammen, was Gold und Bronze bedeutete. Einzig Natalia Artero, Argentinien, nutzte ihre Chance und holte Silber. Zwei Deutsche auf dem Siegerpodest bei einer Weltmeisterschaft! Was für ein großer Erfolg. Das muss wohl auch Felix noch einmal einen Kick gegeben haben. Bei den Bahnwettkämpfen hatte man schon den Kampfesgeist in ihm entdecken können, jetzt gab es kein Halten mehr. Taktisch äußerst clever, hielt er sich an die richtigen Vordermänner, zum Schluss Joey Mantia, und gewann allein – ohne Teamunterstützung – die Bronzemedaille im Wettbewerb der weltbesten Marathonskater.
Deutschland hatte allen Grund zum Jubeln!

Der Star dieser Weltmeisterschaft war Joey Mantia aus den U.S.A. Mit insgesamt sieben Gold-, einer Silber- und zwei Bronzemedaillen ist es allein sein Verdienst, dass die U.S.A. in der Nationenwertung auf Rang zwei stehen. Die Konkurrenten, die mit ihm im Rennen liefen, konnten sich nie darauf ausruhen, dass es Wettbewerbe gibt, die Joey nicht liegen. Die gibt es schlicht nicht. Joey gewann auf diesen Weltmeisterschaften Goldmedaillen im Sprint wie auf der Langstrecke, der amerikanischen Staffel verschaffte er eine Goldmedaille durch seinen Sprint als Schlussläufer von Platz vier auf Platz 1. Das chinesische Publikum lag ihm zu Füßen, wenn Joey lief, drückte ihm jeder die Daumen. Sein Auftritt, seine Leistungen waren unbeschreiblich professionell. Er lief seine Rennen unbeeindruckt von dem, was um ihn herum passierte, Stürze, Fouls, er ließ sich in nichts verwickeln. Bereits bei der letzten WM in Gijon ist der Joey-Stern am Speedskating-Himmel schon aufgegangen. Er strahlt nun heller denn je – ein großer Champion ist geboren.
Nicht versäumen darf man, Bart Swings zu erwähnen, den jungen Belgier, dem es gelungen ist, in seinem ersten Jahr in der Aktiven-Klasse bereits einen Weltmeistertitel über 10.000 m Punkte-Ausscheidung auf der Bahn und einen Vizeweltmeistertitel über 20.000 m Ausscheidung Straße zu holen.
Fazit: Diese Weltmeisterschaften werden allen Beteiligten und Fans des Speedskatings lange in Erinnerung bleiben. Haining war ein würdiger Gastgeber für eine Weltmeisterschaft, die an spektakulären Wettkämpfen, herausragenden Talenten und großen Emotionen kaum zu überbieten war. Wir sagen „Danke“ für eine phantastische Organisation, für ganz großen Sport und eine unvergessliche Woche.
