Joey Mantia: Mehrfacher Weltmeister 2008

31 Okt

in Interviews | Autor: Gaby Junginger | Tags: Berlin Marathon, Interview, Joey Mantia, Weltmeister

Gewinner des Berlin Marathons im Interview mit skate-IN

skate-IN: Es ist einige Jahre her, seit wir das letzte Mal von dir berichteten. Vielleicht ein paar Fakten für unsere Leser zu Beginn?
Joey Mantia: Ich heiße Joey Mantia, ich bin 20 Jahre alt und lebe in Colorado Springs im olympischen Trainingszentrum. Ich bin in Florida aufgewachsen und skate mit Julie und Doug Glass von Luigino/Atom. Rennen laufe ich in den U.S.A. und natürlich die Weltmeisterschaften.
Diesjähriger Sieger des Berlin Marathons - Joey Mantia
skate-IN: Das letzte Mal haben wir uns vor drei Jahren gesehen bei einem Foto-shooting für Powerslide. Seitdem hast du dich zu einem der weltbesten Speedskater entwickelt. Was ist passiert in den letzten drei Jahren?
Joey: Jahr für Jahr habe ich einfach versucht, so gut wie möglich bei den Weltmeisterschaften, den Weltcups und allen anderen Rennen zu sein. Tatsächlich ist es allerdings sehr einfach, wenn man so viel Unterstützung bekommt wie ich. Ich habe einen großen Sponsor, gutes Training. Die letzen zweieinhalb Jahre habe ich in
Wash­ington gelebt. Dort hat es mir nicht sehr gut gefallen. Es hat immer viel geregnet, das war ein Problem. Jetzt bin ich wieder in Colorado, ich kann immer rausgehen und skaten, wenn ich möchte. Ich habe viele verschiedene Möglichkeiten zum Trainieren wie Fitnessstudio, verschiedene Trainingsprogramme, sportmedizinische Programme – einfach alles was ein Athlet braucht. Ich denke, es wird nächstes Jahr ein gutes Jahr werden.

skate-IN: Du bist Profi?
Joey: Natürlich. Ich lebe im olympischen Trainingszentrum, morgens gehe ich ins Fitnessstudio oder auf die Skatebahn. Danach gehe ich zurück, spiele ein paar Videospiele, hänge ein bisschen in meinem Zimmer herum oder treffe mich mit anderen Athleten. Dann steht wieder Training an, es ist ganz schön viel.

skate-IN: Welche Rennen läufst du in den U.S.A.?
Joey: Wir haben nationale Indoor- und Outdoor-Meisterschaften. Dieses Jahr bin ich die Indoor-Meisterschaft nicht gelaufen, weil gleichzeitig der Suzhou-Worldcup stattfand und ich dort starten sollte. Ich wurde aber krank und musste zu Hause bleiben. Nächstes Jahr werde ich hoffentlich alle Weltcuprennen laufen.

skate-IN: Dein Sieg gestern Abend über die 20.000 m Ausscheidung war beeindruckend. Wie schätzt du das Leistungsniveau der Sportler bei diesen Weltmeisterschaften ein?
Joey: Das Niveau ist wirklich hoch. Wenn du dich umsiehst können acht bis neun Sportler Medaillen gewinnen, normalerweise sind das maximal zwei bis drei. Bei den Bahnwettkämpfen stand jedes Mal ein anderer auf dem Siegertreppchen. Das ist ungewöhnlich und zeigt das allgemein hohe Niveau. Mit jedem Jahr gleicht sich das Leistungsniveau international mehr an.

skate-IN: Auf der Bahn warst du nicht so erfolgreich. Was war der Grund dafür?
Joey: Mein Teamkollege war krank und musste im Bett liegen. Als ich mich für die 300 m vorbereitete, fühlte ich mich nicht gut, aber ich dachte mir nichts dabei. Ich lief die 300 m und musste mich direkt danach übergeben. Den Vorlauf für das nächste Rennen habe ich noch mit Mühe und Not bestritten, qualifizierte mich sogar für den nächsten Lauf. Doug Glass überredete mich dann, diesen noch zu laufen. Das habe ich irgendwie geschafft, aber dann ging nichts mehr. Zurück ins Hotel, Fieber, ich war wirklich krank. Beim Ausscheidungsrennen gestern Abend wusste ich, dass es meine größte Chance auf eine Goldmedaille war.

skate-IN: Es passieren hier sehr viele Unfälle. Glaubst du, die Sportler sind zu schnell? Muss etwas geändert werden?Joey Mantia
Joey: Nein, ich glaube nicht. Athleten werden besser, jeder ist besser trainiert, das Equipment wird besser. Es ist wie in jedem anderen Sport. Es sind so viele Leute zusammen auf engem Raum, nicht jeder ist immer aufmerksam. Es passiert eben. Man muss vorsichtig sein.

skate-IN: Was ist dein Ziel hier bei der Weltmeisterschaft? Bist du mit einer Goldmedaille schon zufrieden?
Joey: Ich bin nie zufrieden, aber wenn ich jetzt an die Krankheit denke, ist es o. k., dass ich die eine Goldmedaille habe. Auf der Bahn war es einfach unmöglich. Natürlich möchte ich den Marathon gewinnen, das ist mein größtes Ziel. Wir werden sehen, was am Freitag passiert.

skate-IN: Und deine Saison endet dieses Jahr mit dem Berlin Marathon?
Joey: Ja! Nach dem Berlin Marathon gebe ich mit Massimiliano Presti noch eine paar Trainingseinheiten.

skate-IN: Hast du noch ein paar Neuigkeiten von Chad Hedrick für uns?
Joey: Wir können ihm gratulieren. Er hat geheiratet und er wird Vater. Ich wünsche ihm, dass er seine Karriere auf dem Eis fortsetzt und wünsche ihm alles erdenklich Gute. Es ist immer eine Ehre für mich, in einem Interview nach ihm befragt zu werden. Er ist mehr oder weniger mein Vorbild. Ich bin damit aufgewachsen ihn zu beobachten. Es ist unglaublich ihn skaten zu sehen. Und es ist genauso unglaublich in einem Atemzug mit ihm genannt zu werden. Ich habe Gerüchte gehört, dass er wieder etwas mehr skaten möchte. Mal sehen, wie er in Form bleibt. Vielleicht nächstes Jahr, je nachdem wie es mit seiner Familie geht. Wir werden sehen.