Interview mit Igor Cheremetiff

21 Aug

in Interviews | Autor: Gaby Junginger | Tags: Igor Cheremetiff, Interview

aus Frankreich, einer der weltbesten Freestyle Slalom Skater, im Gespräch mit skate-IN
„Die Zukunft des Freestyle Slalom Skatens beginnt jetzt!“

 

Igor beim Speed Slalom Wettbewerbskate-IN: Welche Bedeutung hat die Freestyle Slalom Weltmeisterschaft in Shanghai für den Sport Freestyle Slalom? Wie hat sich dieser Sport bisher entwickelt?

Igor: Ja, also, wir sind hier in Shanghai. Dies ist unsere zweite Weltmeisterschaft. Letztes Jahr war sie in Singapur. Es ist wirklich cool, denn es sind viele Länder dabei. Ich habe sie nicht gezählt, aber es sind ungefähr 15. Freestyle Slalom ist immer noch ein junger Sport. Es ist toll, so viele Länder hier zu treffen. Ja, was ist Freestyle? Freestyle ist auf dieser Weltmeisterschaft nicht nur Freestyle, sondern auch Speed Slalom. Es gibt hier Wettbewerbe im Freestyle Slalom, Speed Slalom, Battle und auch Jump Slalom. Es gibt hier viel für uns Sportler zu tun. Um es schnell zu machen: Speed Slalom ist ein Wettbewerb, in dem du zuerst sehr gut gegen die Uhr fahren musst und dann gegen deinen Kontrahenten. Es gibt eine Qualifikation, du musst so schnell wie möglich durch 20 Hütchen fahren, die in einem Abstand von jeweils 80 cm aufgereiht sind. Freestyle ist ein individueller Wettbewerb. Du hast eineinhalb Minuten Zeit zu zeigen, was du kannst. Schließlich noch der Battle-Wettbewerb, das ist mein Lieblingswettbewerb. Die Fahrer fahren gegeneinander, sie müssen zu jeder Zeit ihre besten Tricks vorführen, es ist ein ständiger Wettkampf. Das ist wirklich sehr sehr gut.


skate-IN
: Wir haben hier also verschiedene Wettkampfformen, wie sieht es mit den Altersklassen aus? Gibt es auch hier Differenzierungen?

Igor: Die Juniorskater sind unter 16 Jahre alt, als Senior gilt man ab 16 Jahren. Das gute daran, dass ich Seniorskater bin, ist, dass die Junioren mittlerweile unglaublich stark sind. Möglicherweise würde ich als älterer Skater gegen sie einige Plätze verlieren. Nein, dass ist Spaß, aber die Junioren sind wirklich sehr stark. Im Speedslalom wurde z. B. die beste Zeit in der Qualifikation hier von einem Junior aufgestellt. Ich war stolz auf mich, denn ich wurde Erster in meiner Qualifikation, aber ich muss wohl beweisen, dass ich auch Erster im Finale sein sollte.


skate-IN: Ist denn jedes Land, das hier vertreten ist, mit einer Nationalmannschaft am Start?

Igor: Nein, wie ich schon sagte, der Sport ist sehr jung und wir sind dabei ihn zu entwi­ckeln. Nicht alle Mannschaften, die hier dabei sind, sind notwendigerweise Nationalmannschaften. Natürlich ist hier China mit seiner Nationalmannschaft vertreten. Wir aus Frankreich sind mit unserem Sponsor gekommen und einige Skater wie z. B. Severine Christ-Thomas sind auf eigene Kosten gekommen. Natürlich beziehen wir sie in das französische Team mit ein, denn für uns zählt und ist wichtig, dass wir Frankreich repräsentieren.


skate-IN: Wo kommt Freestyle Slalom ursprünglich her?

Igor: Ich bin ein Kind dieses Sports. Mit dem Skaten begann ich, indem ich durch die Stadt skatete. Das habe ich viel gemacht. Ich habe nichts von Freestyle Slalom gewusst. Ich dachte, „one foot“ und „back cross“ ist alles, was man machen kann. Aber da lag ich völlig falsch. Meiner Meinung nach ist der Sport wahrscheinlich in den U.S.A. geboren, so etwas wie „Slalom der alten Schule“ mit viel Platz zwischen den Hütchen. Nach und nach ist Freestyle Slalom dann nach Frankreich gekommen und wurde auf Plätzen wie dem „Trocadero“ in Paris „gelebt“. Mit der Zeit hat sich dann ein neuer Stil entwi­ckelt durch italienische Freestyleskater und Sebastien Laffargue. Insbesondere Sebastien hat unglaublich viel für die „neue Schule“, die neue Generation, getan. Er ist sehr viel gereist, war in Italien, Deutschland, in der Schweiz. Die Tricks, die er dort gesehen hat, hat er mit nach Frankreich gebracht. Zuerst war es sehr schwierig für Sebastien, denn die Leute mögen es nicht, wenn sich die Dinge verändern. Es hieß am Anfang immer: „Oh, es ist verboten, diese Art von Tricks zu fahren!“. Einige Jahre später haben es alle getan, jeder so, wie Sebastien es damals getan hat.


skate-IN: Also war Sebastien der „erste Mann der Stunde“?

Igor: Nein, nicht der erste Mann. Er war einer der Pioniere, der die Entwicklung von Freestyle Slalom unterstützt hat. Er brachte Ideen von einem Land in das andere. Es gab sicher viele von diesen Pionieren, aber die kenne ich nicht. Ich habe mit dem Slalom Skaten 2003 begonnen, die ersten Wettkämpfe bin ich 2005 gelaufen. Slalom Skaten gibt es wahrscheinlich schon viele Jahre, organisiert hat es sich seit ca. 1995-1996. Ich bin sehr jung, deshalb weiß ich das nicht so genau. Für mich ist Sebastien einer der Wichtigsten in diesem Sport. Heute mehr denn je, denn er arbeitet unglaublich viel für die WSSA (World Slalom Skater Association) – Wettbewerbe. Er bringt sie nach ganz Europa. Für Asien ist Seba nicht zuständig, aber er hat dort starken Einfluss. In der Vergangenheit haben viele asiatische Skater von ihm gelernt, Seba ist in Asien sehr berühmt. Durch seine Verbindungen bringt er europäische Skater nach Asien, um Tricks auszutauschen. Slalom Skating in Asien unterscheidet sich sehr vom europäischen Slalom. Seba „verlinkt“ diese beiden Arten miteinander. Und er schafft es immer wieder Leute zu motivieren, Slalom Skating Events zu veranstalten. In der WSSA haben wir bereits ein sehr gutes Ranking, mit ca. 800 Skatern und bereits ca. 40-50 Veranstaltungen. Das World Slalom Ranking besteht erst seit zwei Jahren! Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.


skate-IN: Welche sind die wichtigsten Länder im Freestyle Slalom?

Igor: Das ist eine sehr schwere Frage. Viele Länder sind sehr wichtig. Gerade die nicht so bekannten Länder sind wichtig, denn wir müssen den Sport dort weiterentwickeln. Führende Nationen in Europa sind Frankreich, Russland und Deutschland. Spanien kommt stark, die Spanier haben ihre eigene Serie. In Asien sind Länder wie China, Korea und Singapur sehr wichtig.


skate-IN: Wie wichtig ist der darstellerische, schauspielerische Faktor beim Freestyle Skaten?

Igor: Ich hoffe, er ist nicht sehr wichtig, denn ich bin ein schlechter Schauspieler. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass ein wesentlicher Bestandteil unseres Sports das Showelement ist. Der Sport ist dazu gemacht, zu zeigen. Nicht, um einen Wettkampf zwischen zwei Leuten zu bestreiten. Technik ist natürlich notwendig und wichtig, aber der Style und die Art mit dem Publikum „zu spielen“ ist sehr sehr wichtig. Vielleicht wird das immer wichtiger werden.