Interview mit der Junioren-Nationalmannschaft von Südafrika

06 Sep

in Interviews | Autor: Gaby Junginger | Tags: Interview, Junioren-Nationalmannschaft, Karabo, Koketso, Südafrika, Tshepo, Ubakeng, Wendy Gila

Wendy Gila, Präsidentin des südafrikanischen Skate-Verbandes, Tshepo, Karabo, Koketso und Ubakeng, Mitglieder der südafrikanischen Junioren-Nationalmannschaft über Liebe, Leidenschaft und Speedskaten in Afrika


Die südafrikanische Junioren-Nationalmannschaft  und Verbandspräsidentin Wendy van Heerdenskate-IN: Mein Name ist Gaby, ich bin von dem deutschen skate-IN Magazin. Wir haben euch letztes Jahr schon in Gijon bei der Weltmeisterschaft gesehen und Wendy hat mir erzählt, dass ihr dort mit viel zu kleinen Schuhen gelaufen seid. Wie passen eure Schuhe dieses Jahr?
Alle lachen.
Wendy: Sie haben dieses Jahr alle neue Skates bekommen.

skate-IN: Wie hast du das geschafft?
Wendy: Wir haben einen Zuschuss von der nationalen Lotterie bekommen. In unserem Land gibt es ein neues Gesetz, dass besagt, dass die nationalen Lotterien einen bestimmten Prozentsatz des Geldes an den Sport weitergeben müssen. Davon haben wir profitiert und mit diesem Geld neue Skates für alle kaufen und die Reise nach China bezahlen können. Das war eine große Errungenschaft für uns. Wir sind eine der kleinsten Sportarten, die diesen Zuschuss bekommen hat und es bedeutet viel Verwaltung, viel Arbeit. Aber wenn die Verantwortlichen sehen, dass du das Geld sinnvoll ausgibst, bekommst du weiterhin die Zuschüsse.

skate-IN: Ich kann mir vorstellen, wie du sagst, dass Speedskaten ein eher kleiner Sport in Südafrika ist. Beachten die Medien diesen Sport?
Wendy: Überall, wo wir hingehen, bekommen wir viel Aufmerksamkeit, denn Speedskaten ist so unterschiedlich zu den traditionellen Sportarten wie Fußball oder Rugby.

skate-IN: Ich wüsste gern von euch allen, wie kam es, dass ihr mit Speedskaten angefangen habt?
Tshepo: Ich komme aus Hermanskraal. 2005 hat mich ein Freund mit dem Speedskaten bekannt gemacht. Ich habe mich sofort in diese Sportart verliebt.
Karabo: Bei mir war es ähnlich. Ein Freund von mir kam zu meiner Mutter und hat ihr von diesem Sport erzählt. Meine Mutter hat ihr o.k. gegeben, dass ich mir das mal anschauen durfte. Als ich es zum ersten Mal gesehen habe, wollte ich Speedskaten. Mein Freund hat mir gesagt, dass ich viel Hinfallen werde, bevor ich ein guter Speedskater bin. So war ich auf das Hinfallen vorbereitet und habe mich auch in das Speedskaten verliebt.
Koketso: Ich habe die Speedskater in Hermanskraal gesehen und wollte das auch machen.
Ubakeng: Meine ganze Familie skatet, also war es normal, dass ich auch damit angefangen habe. Ich wusste, dass es Spaß macht.

Tshepo, Karabo, Koketso und Ubakengskate-IN: Wie sind die Voraussetzungen bei euch zu Hause für das Speedskating? Habt ihr Bahnen zum Trainieren?
Ubakeng: Oh ja, das haben wir. Wir haben Bahn- und Straßenkurse.
Wendy: (lacht) Er lebt direkt neben der Bahn. Es ist kein Problem für ihn. Er ist dort fast geboren. All seine älteren Geschwister sind Skater, Ubi kam schon als ganz kleiner Junge zu uns. Wir haben eine Bahn in Pretoria und einen Straßenkurs in Hermanskraal, der Rest von Südafrika muss sich mit Parkplätzen und ähnlichem begnügen.

skate-IN: Was sagen eure Freunde, eure Schulkameraden zu eurem Sport?
Karabo: Als wir ihnen von unserem Sport erzählt haben, dachten sie an „Rollerblading“ oder Skateboard fahren. Als sie Speedskating das erste Mal gesehen haben, wollten sie es auch machen. Aber sie haben Angst, hinzufallen. Wir haben ihnen gesagt, dass sie alle hinfallen werden, dass es einfach Zeit braucht. Und sie versuchen es dann trotzdem. Wir versuchen, mehr Leute für das Speedskaten zu begeistern.

skate-IN: Wie sieht euer Training aus? Wie oft trainiert ihr?
Karabo: Normalerweise Montag, Mittwoch, Samstag, aber Wendy sagt uns immer: „Wenn ihr trainiert, trainiert sechsmal in der Woche.“ Wir versuchen das. Zusätzlich machen wir Übungen.

skate-IN: Wer sind eure Trainer?
Alle schauen auf Wendy.

skate-IN: Immer Wendy? Wendy macht alles?
Karabo: Ja!
Wendy: Nein, in Hermanskraal haben sie andere Skater, die den jungen Skatern helfen können. Im Moment ist das eine unserer großen Herausforderungen, genug Trainer zu haben. Wir haben viele Projekte, um Trainer auszubilden. Genauso auch bei den Offiziellen, dieses Jahr haben wir drei Schiedsrichter mit nach China gebracht. Wir engagieren uns sehr für die Ausbildung der Trainer und der Schiedsrichter. Je mehr Skater du hast, um so größer ist der Stab den du brauchst, denn du musst in der Lage sein, dich um die Skater zu kümmern. Das ist eins unserer anderen Projekte, wieder unterstützt von der nationalen Lotterie.

skate-IN: Wie kommt ihr an gutes Skate-Material?
Wendy: Der Import ist sehr teuer. Christophe vom World Inline Coach (Christophe Audoire, Anm. d. Red.) hat uns viel geholfen, gute Ausrüstung zu bekommen. Das macht es für uns leichter. Denn er weiß genau, was das Beste auf dem Markt ist, wo man es bekommt. Er hat uns viel geholfen, das Material zu ergattern.

skate-IN
: Was ist euer Eindruck hier von dieser Weltmeisterschaft?
Tshepo: Es gefällt mir wirklich sehr gut. Wir können die Skater sehen, wie sie skaten, welche Zeiten sie laufen. Davon können wir lernen.
Karabo: Es ist faszinierend und wir möchten eines Tages so skaten wie die Weltstars.
Koketso: Das sind meine ersten Weltmeisterschaften. Ich fühle mich wohl und ich bekomme mehr Erfahrung.

skate-IN: Wie hat euch das Projekt „Future on Skates“ von Mike Saft und Caro Becker geholfen, diese jungen Burschen zu Speedskatern zu machen?
Wendy: Es hat viel geholfen, denn viele haben dadurch ihre Ausrüstung bekommen. Jetzt sind wir glücklich über die Unterstützung durch die nationale Lotterie. Doch in dem Rest von Afrika gibt es riesige Bedürfnisse an Material. Mittlerweile gibt es Skater in Kenia, Nigeria und Kamerun. Man hat mich schon gebeten dort zu helfen. Sie haben dort sehr sehr schlechtes Material. In einem gewissen Sinn geht es uns viel besser als ihnen, denn wir können es uns jetzt leisten gutes Material zu kaufen. Es ist wirklich wichtig, alle afrikanischen Länder bei der Entwicklung des Speedskatens zu unterstützen. Afrika ist ein sehr wichtiger Kontinent, weil er so viele Länder hat. Jedes einzelne von ihnen hat ein olympisches Komitee. Wenn das Speedskaten keine Präsenz in jedem einzelnen Land hat und nur durch Namen auf einem Papier repräsentiert wird, dann wird es für uns schwer werden, Olympia zu erreichen.

skate-IN: Wendy, wir haben also gehört, dass du Trainerin, Präsidentin, alles in einer Person bist? Wie schaffst du das?
Wendy: Auch wenn ich jetzt Präsidentin bin, liebe ich es leidenschaftlich mit den Skatern zusammenzusein. Das ist der Grund, warum ich dabei bin. Du verlierst etwas von deiner Leidenschaft, wenn du nur Papierkram zu erledigen hast und du dich mehr als Sekretärin als jemand, der mit dem Sport zu tun hat, fühlst.

Gespannte und freudige Gesichter beim Einmarsch während der Eröffnungszeremonieskate-IN: Wie ist die Situation für die erwachsenen Skater?
Wendy: Damit haben wir wirklich zu kämpfen, hauptsächlich wegen der Bedingungen. Auf den Straßen ist das Skaten nicht sicher. Wir haben keine Fahrradwege. Im Sommer geht die Sonne abends um 19.00 Uhr unter. Für die Leute, die arbeiten gehen müssen, ist es fast unmöglich dann noch rechtzeitig zum Trainieren zu kommen. Das ist unser Problem, deswegen haben wir kaum erwachsene Skater, dafür aber umso mehr junge!

skate-IN: Ich hoffe also, dass ich euch irgendwann auf dem Siegerpodest sehen werde!
Alle lachen und stimmen zu.
Wendy: (lacht) Ich hoffe, es sind sie und nicht ihre Kinder.